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Hallo liebe Leser
Wo fängt man an, wenn man anderen Mut machen will ihr Leben ohne
Alkohol zu leben, ich fang mal bei heute an.
Ich bin 43 Jahre alt und Mutter von 4 Kindern im alter von 19,18,14 und
7, lebe von meinem Mann seit 3 Jahren getrennt und bin seit 5 Jahren
trocken, die letzten 4 zufrieden trocken.
Ich bin in einem Dorf aufgewachsen, sehr behütet, in dem jeder jeden
kannte. Zur Schule ging es dann in den nächst grösseren Ort. Dort
wurde mehr oder weniger der Grundstein für meinen Lebensweg gelegt. In
der Schule wurde ich gehänselt, die kleine Doofe vom Dorf, dann noch
geschiedene Eltern. Mein Selbstbewusstsein wurde im Keim erstickt. Ich
traute mir nichts zu, bekam immer mehr Komplexe.
Das ich mich auch in meiner Jugend nicht traute in die Disco zu gehen,
oder sonstige Jugendveranstaltungen zu besuchen versteht sich von
selbst. Bis 14, 15 etwa habe ich mit den Jungen im Dorf Fussball und so
gespielt. So mit etwa 16 fingen wir an in der Dorfkneipe rumzuhängen, Knobel
und Karten spielen. Natürlich wurde dort auch getrunken, welches ausmass
das alles hatte ist mir erst im Nachhinein klar geworden.
Dort lernte ich auch recht bald meinen späteren Mann kennen, 12 Jahre
älter als ich und damals schon recht gut dabei mit dem trinken. Naiv
wie ich war habe ich das damals auch nicht gesehen, ich war auch nicht
sehr wählerisch mit meinem angeknackten Selbstwertgefühl.
Mit nicht einmal 20 war ich dann verheiratet, habe einen Beruf gelernt.
Wir gingen beide arbeiten und haben unsere Freizeit mehr oder
weniger in der Dorfkneipe verbracht. Dort wurde gespielt, natürlich
darum wer die nächste Runde bezahlt. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch
jederzeit auf alkoholfreie Getränke umschwenken. Aber die Gewöhnung
und damit die Toleranz nahmen stetig zu.
Mit 24 bekam ich unseren Sohn, die 2 Zimmerwohnung wurde zu klein, wir
brauchten ne grössere Wohnung, im Dorf war nichts frei, also in den nächsten
Ort. Das hat alles ne weile gedauert. Kaum waren wir dort eingezogen
merkte ich das ich wieder schwanger war.
Ich hatte mittlerweile einen Minijob, aber in dem neuen Ort keine
Freunde gefunden. Mein Mann fuhr täglich um 17 Uhr in die Kneipe, ich
sass mit Kind Arbeit und Haushalt allein zu hause. Als meine Tochter
dann geboren war, wurde alles nur noch schlimmer, ich war immer allein
und völlig überfordert. Mein Mann kümmerte sich um nichts und ich
fing an abends Bier zu trinken, aus ein bis zwei Flaschen wurden recht
schnell mehr.
Mir war bald klar das ich ein Problem hatte, aber die Scham, die angst
liessen mich nicht handeln. Ich soff weiter. 4 Jahre später war ich
wieder schwanger und gab meinen Minijob auf. Meine Familie lieh uns Geld
das wir bauen konnten und aus der kleinen Wohnung raus kamen. auch hier
glänzte mein Mann ehre mit Abwesenheit, Ich frage mich heute oft wie
ich das damals alles geschafft habe. Ich habe trotz der Schwangerschaft
öfter getrunken. die Sucht hatte mich voll im griff.
Das Geld reichte nicht mehr zum weggehen, mein Mann soff nun auch zu
hause und hat seine Unzufriedenheit an uns ausgelassen. Streit, Suff und
Scham lösten einander ab und die zeit verging. Als meine Jüngste
Tochter 7 war merkte ich das ich wieder schwanger war. Ich war tot unglücklich,
hatte furchtbare angst um das ungeborene, konnte mich aber jetzt immer
noch nicht aus dem Teufelskreis befreien. auch dieses kleine Mädchen
ist Gott sei dank gesund.
Es sollten noch 2 weitere Jahre vergehen bis ich endlich die kurve
bekam. Ich soff mittlerweile manchmal schon am Vormittag, meine Kinder
litten furchtbar, all das war mir soooo klar, ich wollte das alles nicht
mehr, wusste mir aber irgendwie nicht wirklich zu helfen, ich schämte
mich so unendlich so versagt zu haben.
Dann kam mein Tag, ich hatte aus lauter Wut und Frust schon am Vormittag
getrunken. Ich bin dann zum Einkaufen gefahren statt zu laufen, warum
ich das tat weiss ich nicht, ich kann mich daran nicht erinnern, Alkohol
war noch genug da. Als ich nach hause kam erwartete mich die Polizei,
all das ist in dichtem Nebel, ich weiss es nur aus dem Protokoll. Es
folgte Blutabnahme und Führerscheinentzug, die Beamten waren so nett
mich wieder nach hause zu bringen.
Kurz nachdem ich mich völlig verzweifelt wieder meiner Flasche zugewandt
hatte klingelte es. Meine Nachbarin stand vor der Tür und bot mir Hilfe
an. Ich bin Ihr heute noch soooooo unsagbar dankbar. Sie rief bei meinem
Hausarzt an und machte einen Termin für den nächsten morgen, ebenso
bei der Suchtberatung.
Ich bekam auch gleich die Zusage zur stationären Entgiftung am nächsten
Tag. Ich fing noch im Suffkopp an meine Koffer zu packen. Meine
Nachbarin rief dann noch meine Mutter an das sie am nächsten Morgen kam
um sich um die Kinder zu kümmern.
Am nächsten Tag pünktlich um 7 stand sie wieder auf der Matte, packte
mich samt Koffer in ihr Auto und brachte mich erst mal zum Arzt, der
hatte die Einweisung schon fertig, sagte mir das er mich nicht
untersuchen muss, da das ja gleich im Krankenhaus geschieht. Er hat mir
alles gute gewünscht und gesagt das ich kommen soll wenn ich entlassen
werde.
Danach ging es zur Suchtberatung. Dort wurden meine Daten aufgenommen
und mir einige Möglichkeiten der Therapie erklärt. Da ich noch nicht nüchtern
war, sollte ich mich erst nach der Entgiftung entscheiden, hierfür
haben wir dann gleich einen Termin gemacht. Von hier aus ging es dann
direkt ins Krankenhaus.
Auch hier wurde ich sehr nett und keinesfalls abfällig behandelt. Ich
bekam Medikamente die die Entzugserscheinungen dämpfen. Die ersten Tage
habe ich so fast verschlafen. Mein Mann hat mich in der Zeit 1 mal
besucht und mir nur Vorwürfe gemacht, das hat mich erst recht in meinem
Beschluss bestärkt das ich das nicht mehr will.
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