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Archive for the ‘Medikamente’ Category

Medikamente

Donnerstag, Februar 26th, 2009

Auch wenn es eher unglaubwürdig ist, so sind Medikamentenabhängige vor allem Menschen, die im Medizinbereich arbeiten wie zum Beispiel Ärzte. Dabei sollte man doch meinen, dass gerade die sich mit etwaigen Nebenwirkungen auskennen und sich daher bewusst sind, was sie ihrem Körper damit antun – doch weit gefehlt.

Natürlich nehmen viele Patienten bewusst regelmäßig Medikamente ein, sind deshalb aber nicht gleich süchtig. Es besteht dort durchaus ein großer Unterschied, denn richtige Patienten, die Medikamente zur Schmerzlinderung o.ä. nehmen, werden regelmäßig durch einen Arzt überwacht.

Bei Abhängigen ist dies jedoch nicht der Fall. Diese nehmen Medikamente ein, um mit deren Wirkung ihre Wahrnehmungen, Stimmungen und Gefühle zu beeinflussen, denn oft liegt die Ursache für den Missbrauch im sozialen Umfeld (Unzufriedenheit im Beruf oder in der Familie, Stress usw.). Leider gewöhnt sich der Körper an die erst noch geringe Dosis, mit der eine bestimmte Wirkung erzielt wird, so dass diese Dosis meistens gesteigert werden muss, um erneut die übliche gewünschte Wirkung zu erzielen. Dabei ist es sogar oftmals egal, welcher der ursprüngliche Anlass zur Einnahme des Medikaments war. Die Hauptsache ist, dass der Abhängige von Alltagsproblemen o.ä. Abstand nehmen kann, auch wenn das Medikament ursprünglich wirklich zur Linderung einer Krankheit eingesetzt wurde.
Wie bei jedem Medikament gibt es natürlich bei einer zu hohen Dosierung oft Nebenwirkungen, so dass meistens ein zusätzliches Medikament eingenommen werden muss, um diese zu starke Wirkung wieder auszugleichen. Demnach kann es vorkommen, dass der Betroffene letztendlich süchtig nach mehreren Medikamenten und nicht nur nach einem ist.

Die Medikamentensucht tritt nicht erst auf, wenn man an einer wirklich schweren Krankheit leidet, sondern auch, wenn es sich lediglich um Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit handelt. Gerade aber bei Letzterer ist das Risiko groß, in die Sucht zu geraten. Wer schläft nicht schon gerne schnell ein nach einem anstrengenden Tag voller Sorgen und Probleme? Die Sucht nach Schlaftabletten ist daher genauso ernst zu nehmen wie die Sucht nach Nasentropfen. Diese wird immer bekannter, auch wenn wenig darüber gesprochen wird. Jedoch ist die Sucht nach Nasentropfen weniger schlimm als die Sucht nach Schlaftabletten. Dennoch wird durch die ständige „Einnahme“ der Tropfen die Nasenschleimhaut geschädigt, was der Betroffene jedoch nicht bemerkt. Die Nasentropfen befreien die Nase, so dass man wesentlich besser atmen kann. Die Einnahme soll jedoch, so steht es auch im Beipackzettel, nach spätestens fünf Tagen beendet werden, da sonst die Gefahr der Abhängigkeit besteht. Leider ist es bei Nasentropfen so, dass man die Grenze nicht sehr gut abschätzen kann und meistens schon süchtig ist, bevor man es überhaupt vermutet. Dann ist es besonders schwer aufzuhören, denn immerhin fällt einem das Einschlafen mit einer komplett freien Nase viel leichter. Auch hier hilft meistens nur, wie bei vielen Süchten, ein kalter Entzug, auch wenn die Entzugserscheinungen (im Fall der Nasentropfensucht z.B. eine erst recht verstopfte Nase und schweres Einschlafen) nicht ganz ohne sind.

Am liebsten eingenommen werden Beruhigungs- und Schlafmittel, Anregungs- und Aufputschmittel sowie Schmerzmittel, die allesamt über längeren Zeitraum schwere Gesundheitsschäden verursachen können. Damit die Abhängigkeit nicht zu offensichtlich wird, wechseln die Betroffenen häufig den Arzt. Gerade weil ein Medikament oft von einem Arzt verschrieben wird, besuchen viele direkt mehrere Arztpraxen, was als so genanntes „Ärzte-Hopping“ bezeichnet wird. So erhalten die Abhängigen gleich mehrere Rezepte, um noch mehr Medikamente mit nach Hause nehmen zu können. Noch problemloser ist natürlich die Beschaffung in der Apotheke, die man bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme wesentlich öfter wechselt.

Wie macht sich die Sucht nach Medikamenten bemerkbar?

Häufige Medikamenteneinnahme verbessert zwar das Lebensgefühl, aber nicht die Gesundheit. So kann es wie bei vielen Süchten oder gar Drogen zu Wahnvorstellungen und Konzentrationsschwäche kommen, aber auch seelische Abstumpfung und gar lebensgefährliche Kreislaufzusammenbrüche sind nicht weniger häufig sowie Persönlichkeitsveränderungen und Unterernährung. Diese Folgen intensivieren sich, wenn der Betroffene neben den Medikamenten auch noch Alkohol oder andere Suchtmittel zu sich nimmt, um die Wirkung zu verstärken.

Doch wie soll jemand, dessen Leben verbessert wird, von den Medikamenten loskommen?

Es ist wie bei jeder Sucht, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, ihr zu entfliehen. Wie bereits erwähnt, beeinflussen soziale Umstände die Abhängigkeit. Demnach gilt es, die momentane Lebenssituation zu ändern oder Konflikte zu klären, deren Ursache erforscht werden muss.
Obwohl die Sucht nach Medikamenten in der Gesellschaft eher im Hintergrund steht, übernehmen Krankenkassen die Behandlung, da Medikamentensucht bzw. -abhängigkeit eine anerkannte Krankheit ist. Daher ist es ratsam, diese Unterstützung anzunehmen und nicht ohne fremde Hilfe aufzuhören, da so die Rückfallquote weitaus höher ist. Natürlich muss sich die betroffene Person ihrer Situation bewusst sein und sich vor allem eingestehen, süchtig zu sein, da sonst eine Therapie keinen Erfolg haben kann.
Sowohl für Alkohol-, harte Drogen- als auch Medikamentensucht gibt es Beratungsstellen in ganz Deutschland, zu denen Kontakt aufgenommen werden kann. Diese klären gemeinsam mit dem Abhängigkeiten die weiteren Schritte der Behandlung und unterstützen ihn im gesamten Verlauf der Zeit. Da der kalte Entzug, bei dem das Medikament abrupt abgesetzt wird, sehr hart ist und zwei bis drei Wochen dauert, sollte er in einer Fachklinik durchgeführt werden. Der Körper wird durch den Entzug der „Droge“ entgiftet, auch wenn die Entzugserscheinungen sehr unangenehm sind. Dafür befindet man sich in einer speziellen Klinik unter ärztlicher Beobachtung und kann medizinisch versorgt werden. Zudem können sich die Patienten mit Leidensgenossen austauschen, so dass die Heilung erleichtert wird.

Dies ist allerdings nur die Behandlung der körperlichen Abhängigkeit, so dass die der seelischen noch aussteht. Bereits erwähnte Gewohnheiten oder Stresssituationen müssen erkannt und mit Alternativen umgangen werden. Nur so kann der Betroffene lernen, ohne das Medikament auszukommen. Diese Therapie kann ebenfalls in einer Fachklinik erfolgen, aber auch in Einzel- oder Gruppensitzungen.


Psychotherapie München